An vielen Ecken Süd- und Osttirols sind in den letzten Jahren kleine, aber feine Trailparks entstanden und wenn Videos dazu in den eigenen Stream gespült werden, bekommt man natürlich Lust, diese selbst zu erkunden. Der Stoneman Dolomiti stand ja bei mir auch noch irgendwie am Programm, die Road-Version hatte ich ja schon in den Büchern, aber um alle Mountainbike-Strecken zu absolvieren, musst die MTB-Version noch dran. Also auf zur Planung einer Reise in dieses Gebiet!
Und die Planung war tatsächlich nicht so trivial, ohne Auto und maximal viel in 5 Tage hineinpacken, ob das klappt?
Bikepark Lienz – Stopp Over
Also: Sonntag 8.30 Zug von Wien nach Lienz – Perfekt! Platz für Fahrrad, angenehmer Zug, pünktlich in Villach angekommen, dort in Regionalbahn nach Lienz. 4 Stunden Stopp-Over bis zum Zug nach Innichen. In den 4 Stunden auf zum viel gelobten Bikepark Lienz, Tagesticket zwar recht teuer für grad mal 3 Haupttrails, der oberste „Peter-Sagan-Trail“ mit toller Aussicht, aber schnell und sehr jumpy, der Blaue ins Tal auch eher fad, aber der rote „Alban-Lakata“ war dafür umso toller, anspruchsvoll, weil es auch eine Enduro-Line eines vor kurzem stattgefundenen Rennens gab, manche Sprünge bin ich aber umfahren.
Dann in den Zug nach Innichen, dort ein luxuriöses Hotel in der Innenstadt gebucht und Pizza als Abendessen. Die Anmeldung für den Stoneman hat auch geklappt, man hat mir die Unterlagen und die Stempelkarte sogar ins Hotel gebracht, also konnte ich am folgenden Tag aufbrechen.
Stoneman Dolomiti GOLD
Da ich die Gold-Version fahren wollte, also 4000hm, über 100km, rechnete ich mir 12h Fahrtzeit, Aufbruch daher um 6 Uhr, erster Anstieg gleich mal 1300hm auf 10km in einem Durch, zuerst Asphalt, dann Forststrasse durch Wald, dann oberhalb der Baumgrenze Richtung erster Gipfel – sagenhafter Blick auf die Dolomiten gegenüber.
Runter wieder über Forststrassen nach Silian, dort stand dann gleich der nächste Uphill mit 1400hm an und noch ein paar Steigungsprozenten mehr, teils auch heftig in der Sonne. Zum Glück gab es auf der Hälfte eine Hütte, die mich mit Wasser und Eis versorgte. Noch sagte der Wirt: „Bist eh gut in der Zeit“. Den Rest zur Scharte mit teils über 20% musste ich dann doch oft schieben, aber irgendwann ist man ja dann doch oben (in dem Fall auf 2400m). Dort ging es dann den Hang entlang recht spassig über Wanderwege, die sog. „Demut-Passage“ mit laufendem Blick auf die Dolomiten und 3 Zinnen im Hintergrund.











Leider begann dann ausgerechnet bei der Vorderradbremse der Druckpunkt zu wandern und ich griff beim Bremsen dann öfters ins Leere – auf 2400m mit einer folgenden Abfahrt von 1000hm nicht gerade ideal. Die Hangfahrt war zwar pittoresk hochgebirgig schön, aber ich machte mir dann doch etwas Sorgen, ob ich heil hinterkommen kann. Bei einer Rinne zerlegt es mich dann schon mal, aber zum Glück nur Abschürfungen, also hieß es dann ganz vorsichtig mit ABS-Manövern hinunterrollen.
Im Tal fand ich dann zum Glück einen Supermarkt, machte zum ersten Mal wirklich Rast und siehe da – nachdem das Bike 30 Minuten auf der Seite gelegen war – war der Druckpunkt wieder da und alles OK.
Also nahm ich dann noch den letzten Anstieg mit 800hm in Angriff – immer mit der Zielzeit VOR 20 Uhr zurück zu sein, um noch zu versuchen, Roland Stauder, den Erfinder der Stoneman-Challenges – persönlich zu treffen.
Mit letzten Kräften gings zur letzten Stempelstelle, aber dann nur noch abwärts, wo ich dann tatsächlich noch Roland traf, ein bisschen plauderte und ein Zielfoto mit ihm machen konnte. Pünktlich um 20Uhr dann im Hotel zurück, auf Nudeln und Bett.
Kronplatz
Am nächsten Tag hatte ich wenig Lust nach Uphill, aber zum Glück war ja Bruneck recht nah und der dortige Bikepark Kronplatz. Gut mit der Pustertalbahn erreichbar, Tagesticket gelöst und bequem mit dem Gondel geshuttelt.
Am Kronplatz selber ist viel los, weil auch Wanderer dort gut unterwegs sein können, Familien und weil es auch ein beliebter Startpunkt für Gleitschirmflieger ist. Das Geniale daran ist die 360 Grad Rundumsicht, im Norden Großvenediger und Großglockner, im Süden Dolomiten und Marmolada, rundherum Berge und 3000er.
Hier gab es schon ein paar mehr Trails, die schwarzen mir aber schon zu heftig, der Herrnsteig ist aber einer der genialsten Trails, die ich je gefahren bin. Schön lang (1000 Tiefenmeter), teils verspielt, teils fordernd und stets irgendwie anders, nie fad.

Von Bruneck dann mit der Pustertalbahn zurück nach Lienz und von dort hoffte ich, im Bus bis nach Kals mitgenommen zu werden. Auch wenn der Busfahrer („die Mitnahme von Fahrrädern liegt in der Entscheidung des Busfahrers“) etwas ruppig war „Die Radln san zum Fahren da, net zum Busfahren“, durfte ich dennoch mit und kam zu meinem 2. Hotel der Reise in Kals am Großglockner.
Am Abend bin ich dann noch draufgekommen, dass gerade Mittwochs der Seilbahnbetrieb Ruhetag hat (!), also freundete ich mich schon mal mit dem Gedanken an, doch die 1000hm hochzutreten, dafür die Trails aber dann halt nur 1x zu fahren.
„Bikepark“ Kals
Im Endeffekt war es somit kein Bikepark, sondern nur 2 ausgewiesene gebaute Trails von der Adlerlounge runter. Der anstrengende Weg hinauf war jedoch gesäumt von einer wunderschönen hochalpinen Landschaft mit stetem Blick auf den Großglockner. Der obere Trail war landschaftlich dadurch top, echt anspruchsvoll aber dann erst der untere Teil, der Görner Trail – so wie man sich einen idealen Trail vorstellt: steile Switchbacks, kleine Sprünge, ruppige Wurzelpassagen, Steinfelder, einfach alles dabei!
Nach einer Mittagsrast beim MPreis hatte ich aber dann noch einen ganzen Nachmittag vor mir und erinnerte mich an einen Geheimt-Tipp meines Hotelwirten im Ort: Das Teischnitztal.
Also noch mal 900hm hoch, über eine eher langweile Forststrasse, aber zumindest im Wald und somit schattig, kommt am zuerst zu einer tiefen Schlucht mit Wasserfall. Wenn man diese Rampe überwunden hat, eröffnet sich vor einem ein herrliches, einsams Hochtal mit direktem Blick auf das Teischnitzkees und Gletscherbruch und direkt darüber trohnt der Großglockner – einfach ATEMBERAUBEND!
Über kleine Schneefelder und einer Abkühlung im Gebirgsbach gings dann wieder runter, wo ein Eisbecher auf mich schon wartete.




Um noch meinen Plan zu vervollständigen, nahm ich am letzten Tag den ersten Bus um 6.40 zurück nach Lienz, von dort mit dem Zug nach Villach, den schweren Rucksack im Schließfach deponiert und nach Faak, um mir noch lake.bike anzusehen…wenn ich schon mal in der Nähe bin.
lake.bike
Von Faak musste man dann noch mal 500hm rauf zum Baumgartner und dem Trailcenter dort. Der Uphill der Trails war zwar nur 150hm, aber für jeden Biker waren unterschiedliche Trails dabei: Blaue einfache, rote Jumplines und rote fortgeschrittene und auch einige schwarze Trails mit echt hohen Drops, Switchbacks und Stufen. 4 Uphills gehen sich da schon mal locker aus, dazwischen eine Eispalatschnike beim Baumgartner mit herrlichem Blick auf den Faaker See, Villach und die Berge. Bis nach Latschach führt dann ein abschließender wunderbarer, teils auch recht rougher Trail und man rollt gemütlich bis nach Villach zurück. Dort den Zug nach Wien und um 20.36 pünktlich, verschwitzt, stinkend und müde, aber voll mit Eindrücken von Trails, Trails, Trails wieder zurück

