Kurzfristig hatte ich die Hoffnung, bei der Istria300 starten zu dürfen, es hat aber dann doch leider nicht geklappt. Da ich mir die Tage dafür aber schon freigeschaufelt hatte, war ich am überlegen, in der Zeit etwas anderes noch im Herbst zu unternehmen.
Die Stoneman waren für Anfang Oktober schon gesperrt, da hüpfte mir auf Facebook eine Anzeige für eine Vulcania300 ins Auge!
Auf der Homepage nachgesehen (www.vulcania300.bike) – das ist tatsächlich ein Nachbau des Stoneman für Rennrad: 300km und 4000hm an einem (Gold), zwei (Silber) oder 3 (Bronze) Tagen – Tracking über Stempelkarten oder App – wie genial! Das mach ich!
Hotel direkt an der Strecke Gasthof Scheer in Bad Gleichenberg – das Hinkommen war recht mühsam, weil Zug nach Graz, dann Feldbach und dann die Nostalgiebahn nach Bad Gleichenberg. Die erste Bahn hatte Verspätung, daher verpasste ich auch die Nostalgiebahn und der Bus am Abend nahm mich nicht mit. Also mit dem Rad von Feldbach zum Hotel.
Am Raceday dann um 6 Uhr aufs Rad, dunkel noch und kalt (mit Armlingen und Windjacke ging es so halbwegs). Checkpoints der App aktivierung und los gings durchs Vulkanland.
Eigentlich ständig gleich, Hügel rauf, oben etwas am Kamm entlang, dann Hügel runter ins Tal, Bundesstrasse oder Landesstrasse queren und wieder Hügel rauf – und das den ganzen Tag. Na klar kommen so 4000hm zustande!
Den Weg hatte man tatsächlich so gewählt, dass man möglichst wenig Autokontakt hat, d.h. man wird durch die kleinen Wege von Kaff zu Kaff geleitet und quert gerade mal kurz die Autostrassen. Dafür kommt man an vielen Häusern und Feldern vorbei, schön waren die Fahrten auf den Hügelkämmen.
Spannende Beobachtung: fast jedes zweite Haus ist geschmückt mit einem großen Plakat mit Geburtstagsglückwünschen inklusive Foto-Collage des Gefeierten – scheint dort eine Tradition zu sein?
Von Bad Gleichenberg ging es nach St.Stefan, dann Feldbach und weiter in den Norden nach Fürstenfeld, von dort dann rauf zur Riegersburg, dann nach Süden zur Vulkanlandaussichtsplattform und bis nach Bad Radkersburg. Dort wurde es dann schon dunkel, und nach 8 war ich dann bei meiner letzten Stempelstelle in Mureck.
Da es schon kalt und dunkel war, mir schon etliche Hasen vor die Reifen gelaufen sind, beschloss ich dann etwas abzukürzen und direkt zum Start zu fahren. Die 4000hm hatte ich drin, Distanz dann 270km, halb 10 war ich zurück. Kein Abendessen, aber Hunger hatte ich eh auch nicht, waren wohl zu viel Menthos und Gummibärchen unterwegs…
Dafür freute ich mich umso mehr auf ein opulentes Frühstück und eine gemütliche Heimfahrt – diesmal nahm mich die Nostalgiebahn auch wirklich mit!!
Je mehr man in die Ultra-Bubble hineingerät, so stößt man gerade in Österreich an jedem Eck an solche Veranstaltungen, RACA, RAA, RAN in verschiedensten Längen quer oder rund um Bundesländer oder Österreich. Das Race Around Niederösterreich hätte mich schon mal gelockt, jedoch wurde es nur als „Supported“ Rennen veranstaltet (das bedeutet, man wird die gesamte Strecke von einem Auto mit mindestens 2 Fahrer begleitet), und die Verrückten, die hinter mir herfahren sollten, fand ich einfach nicht – abgesehen davon war das Wetter dieses Jahr auch extrem schlecht.
Also dachte ich mir, dann mache ich es einfach „unsupported“, also ohne Begleitung, alleine und auch selbstversorgend. Und da kam dann das RAA – Race around Austria – in der Challenge Form ins Spiel, einmal rund um Oberösterreich 560km und über 6000hm. Dafür hatte man 29h Zeit.
Je näher der Tag kam, desto nervöser wurde ich aber dann doch, weil es ja durch die Nacht ging und immer neue Fragen auftauchten: Werde ich müde vom Rad kippen, wird es in der Nacht kalt, was nehme ich zum Anziehen mit, hält das Licht die Nacht durch,…?
In St. Georgen im Attergau, wo das Rennen startet, ist ohnedies die ganze Woche schon RAA-Fieber, denn es findet dort auch die Extreme-Strecke statt, einmal rund um Österreich, 2000km, was auch zeitgleich die Ultracycling Weltmeisterschaft ist. Diese Fahrer startet schon Montag/ Dienstag, damit sie möglichst am Samstag alle ins Ziel kommen. Meine Strecke startet am Mittwoch 15 Uhr, also konnte ich gemütlich am Vormittag mit dem Zug anreisen. Mitten am Hauptplatz in St. Georgen konnte ich dann mein Rad bekleben, zur technischen Abnahme und mich anziehen. Man konnte auch eine Dropbox abgeben, die in Steyr dann nach 2/3 der Strecke zur Verfügung stand. Da ich aber eh alles am Rad mitnahm, brauchte ich es eigentlich nicht, aber da ich ja nirgends sonst eine Möglichkeit hatte, meine „normale Kleidung“ für nach dem Rennen zu deponieren, packte ich es einfach in diese Box und ließ sie nach Steyr und zurück karren…
Gegen 15 Uhr kamen dann alle zusammen – viel waren es ja nicht, gerade mal 28 Starter auf meiner Distanz – was mich überraschte war, wie wenig die alle mitnahmen (Ich hatte Regenjacke, Armlinge, Beinlinge, 3 Schläuche, Windweste usw.. mit, die anderen gerade mal 2 kleine Taschen am Rahmen), dafür aber mit deutlich mehr Flaschen. Sie erklärten mir, dass in der Nacht an der Strecke nichts zu finden ist, ich hatte ja eigentlich mit ausreichend Tankstellen gerechnet, machten mich also noch mal nervös.
Das Orga-Komittee war super nett, hat viel angefeuert und geholfen, dann gings um 15.24 los, Einzelstart in Minutenabstand. Von St. Georgen dann nach Westen, Landstrasse, Radwege machmal, kleine Dorfstrasse, hügelauf, hügelab bis rauf nach Braunau, Schärding. Kurz vor Schärding nutze ich die letzten Minuten eines großen Spar, um mich mit Essen und vor allem auch zusätzlichen Flaschen Flüssigkeit zu versorgen – für die Nacht sollte es also reichen.
Genau an diesem Abend war ja auch Sonnenfinsternis und so sah ich an verschiedenen Bergkuppen Menschen Richtung Sonne gucken, ein paar wussten aber auch vom RAA und jubelten zu.
Bei Passau wurde es dann dunkel, ich schalte Licht an, dann Windweste und später Armlinge. Bis Mitternacht ging es ganz gut, dann versuchte ich einen ersten Power-Nap, 10 Minuten auf eine Mauer in einem Dorf unter der Lampe – hat funktioniert, Handywecker gestellt, 10 Minuten später wieder aufs Rad und weiter. Das selbe dann noch mal so um 2 Uhr in einer Bushaltestelle, während gleichzeitig die Supported-Fahrer (begleitet von hell leuchtenden Bussen) an mir vorbeirauschten.
Mitte August sollten die Perseiden ja auch gut sichtbar sein, und da ich ohnedies nicht wirklich was zu tun hatte und in der Pampa durch die Gegend strampelte, blickte ich immer wieder mal in den Nachthimmel, um zu sehen, ob mir vielleicht eine Sternschnuppe den Weg zeigte. Ich sah zwar den großen Wagen und viele Sterne, mehr aber auch dann nicht…also blickte ich dann doch wieder mehr auf die von meiner Lampe erleuchtete Straße und lauschte vielen Podcasts und Hörbüchern. Recht witzig dabei war, dass Christoph Strasser in seinem Ultracycling Podcast „Sitzfleisch“ gerade ein Special genau zum RAA machte und ich dabei quasi live zuhören konnte, was es neues aus dem Rennen gibt.
Um 4 Uhr übermannte mich dann noch mal die Müdigkeit, es war auch plötzlich deutlich kälter, also noch mal ein Power-Nap einfach irgendwo auf einer Wiese am Strassenrand. Da ich aber dann schon ziemlich zitterte, zog ich noch die Regenjacke an, die half dann wirklich gut.
Die Sonne ging dann langsam auf, ich zitterte noch etwas, fand aber dann in einem Dorf einen ersten Bäcker, wo ich mich mal zu Kakao und Frühstück hinsetzte.
Nach der Stärkung gings dann weiter, die Sonne kam wieder stark hervor, es wurde wärmer, später dann auch wieder extrem heiß. Das nächste Ziel war dann das Depot in Steyr, leider keine schönen Straßen bis dorthin, in Steyr winkten sie mich dann heran, ich bin schon 1h über der Zeit, eigentlich wären sie gar nicht mehr hier, aber durchs Live-Tracking konnten sie sehen, wo ich war und warteten dann noch. Damit war mir aber auch dann klar, dass ich es wohl nicht bis zur Cut-Off Zeit im Ziel schaffen werde… Egal, jetzt fahren wir das noch fertig, ich muss ja eh zurück ins Ziel.
Viel Verkehr in Steyr, die Enns hinauf, dann lag da noch der Hengt-Pass vor mir: 560hm, dafür aber ein schönes Tal hinauf, wenig Verkehr, Felsen links und rechts – so sollte eigentlich Landschaft sein! In einem Restaurant noch Cola und Wasser aufgefüllt und ein paar Fragen vom interessierten Wirt zum Rennen beantwortet („Die anderen waren schon viel früher da“…), erreichte ich endlich den Pass, rollte nach Windischgarsten runter und legte mich dann noch mal für 10 Minuten unter einen Baum.
Nächstes Ziel also Gmunden, leider war der Weg doch weiter als gedacht und ein paar fiese Hügel auch noch dazwischen. Die Rennleitung rief dann auch mal an, ob mir es eh noch gut gehe. „Ich kämpfe, aber ja, irgendwann werd ich schon ankommen“, mein Resumée. „Du weisst schon, dass wir dich nach 29h aus dem Rennen nehmen müssen? Wir sind dann nicht mehr da, stellen dir aber deine Dropbox einfach ab“ – „OK“.
Leicht enttäuscht, aber dennoch mit eisernem Willen, das Ding zu Ende zu fahren, rechnete noch etwas, wie es sich mit Licht und Akku ausgehen könnte, wenn ich in die zweite Nacht reinfahren würde. und setzte ich meine Reise fort.
Mein zweiter Sonnenuntergang
Bei Gmunden noch ein Tankstellen-Stop mit letztem Refill, dann rüber zum Attersee, diesen entlang, dann wurde es wieder einmal dunkel, ich nutzte die letzten Prozent Akku, am Mondsee vorbei, wo gerade der Mond aufging und rauf nach Norden die letzten 20km nach St. Georgen im Attergau.
Kein jubelnde Menge, keine Zuschauer, fuhr ich einsam in den Ort, sah schon die Zielrampe, bog rechts ein und dort standen dann wirklich noch alle von der Orga-Crew und jubelten! Das war das wahre Highlight! Sie haben wirklich noch auf mich gewartet! und beglückwünschten mich für meinen Durchsetzungwillen (andere sagen Sturheit dazu).
Fazit: Brutto-Fahrtzeit 31h, 564 km und 6490 hm Verbrannte Kalorien am Mittwoch 7600 und am Donnerstag noch mal 8800. Netto-Fahrtzeit 24h, das wäre dann ein 23er Schnitt, und wäre sich gut ausgegangen, aber die Pausen für Power-Naps, Resupply haben dann doch zu viel Zeit gekostet, zumindest kein DNF, sondern ein OTL (Finished but out of time limit)
Hunger hatte ich am abend dann aber noch immer nicht wirklich, hatte wohl zu viel Schrott während der 31h gefuttert, nur duschen, Zähne putzen und ab ins Bett.
Am nächsten Tag dann endlich ein feines Frühstück mit 3 Semmeln, 2 Kakao, 2 Orangesaft und zu Mittag Salat und Pommes. Während des Tages gemütliches ausradeln Segel-Ass und begeistertem Straßenradler Tom über 50km am Mondsee und Attersee, einmal kurz ins Wasser gehüpft und mit Zug zurück nach Wien – Das war mein erstes Ultracycling-Unsupported-Abenteuer.
Laufen und Berge lassen sich perfekt kombinieren im Sport des Trailrunnings und wenn man dann noch im Hochgebirge unterwegs ist, kommt noch mal der Aspekt des Abenteuers dazu. Alle 3 Dinge zusammen findet man in Bewerben wie z.B. dem Glockner Ultra Trail: https://www.ultratrail.at/ Dort ist mir die Strecke mit 57km und 3500hm ins Auge gestochen (der GGT), als Ziel, einen ersten Ultra (also mehr als die Marathon-Distanz von 42km) zu finishen, noch dazu in einer Bergkulisse, die für Trailrunning so ziemlich einzigartig ist – von der Südseite des Glockners, Kals, nach Norden, Kaprun.
Aufgrund meiner Knieprobleme wollte ich mich ummelden auf die kürzere Distanz von 37km, den GWT, erkannte jedoch 1 Tag vor Start, dass der GWT einen Tag früher stattfindet und somit eine Ummeldung nicht möglich war – also musste ich dann doch die Distanz von 57km (den GGT) versuchen, hatte aber schon ziemlich Panik davor, nicht zu finishen.
Zugverbindung bis Zell am See, dann mit dem Bus nach Kaprun, dort war schon alles auf das große Spektakel GGUT eingerichtet, mehrere Tausend Läufer auf vielen verschiedenen Distanzen. Die längste mit 110km und über 6000hm startete ja schon am Abend davor, um 21.30 von Kaprun über Kals und wieder zurück, während ich mich schon sichtlich nervös früh ins Bett legte, weil ich ja schon um 4 Uhr aufstehen musste, um den Transferbus um 5 Uhr von Kaprun nach Kals zu erreichen.
Beim Start wurde die Pflichtausrüstung noch gecheckt und bei den ersten Sonnenstrahlen versammelten sich die 400 Teilnehmer des GGT und bewunderten und beklatschten die Läufer des ganzen Ultras, die ja die Nacht schon durchgelaufen sind und nun unseren Startbereich durchquerten.
Punkt 7.30 gings dann los, schon nach ein paar hundert Metern gings dann auch schon bergauf, konstant von Kals auf 1300m bis zur Glorer Hütte auf 2642m, wo der erste Checkpoint und Verpflegungsstelle lag. Dort begann dann auch der wunderschöne Höhentrail, immer wieder runter, rauf, Hang entlang mit stetem Blick auf den Großglockner bis zur Stockerscharte. Von dort kurz hinunter zum Margaritzenspeicher und wieder rauf zum Glocknerhaus, wo die nächste Verpflegung und viele klatschende Touristen wartete.
Mit Blick auf den Glockner von dieser Seite aus, gings nun wieder heftig rauf zur Pfandlscharte, dem höchsten Punkt mit 2663m, Auf der anderen Seite dann sicherlich das Highlight der Route, das Pfandlschartenkees: Zuerst recht spaßig konnte man über das Schneefeld rutschen, die einen am Hosenboden, die anderen – und da kam mir meine Erfahrung als Skifahrer zugute – konnten sauber in Skistellung (ein Fuss vorne, der andere hinten zum stabilisieren) runtersliden. Der zweite Teil des Schneefeldes war jedoch so steil, dass die Veranstalter Seile spannten und die Bergrettung auf Steigeisen daneben sicherte. Langsam hangelte man sich also auch diesen Teil runter und kam wieder auf Fels und Wiese an.
Ab dort gings dann in steilen Serpentinen runter bis zur Mautstelle Ferleiten. Der Downhill ist nicht so meins, dort wurde ich sehr oft überholt, wie Gämsen sprangen die Läufer den Wanderweg hinab, ich wanderte eher. Im Flachen versuchte ich dann wieder ins Laufen zu kommen, merkte aber schon bald, dass meine Oberschenkel zumachten. Sobald es – auch schon bei geringem Gefälle – runter ging, war nur noch Gehen möglich, beim Uphill konnte ich aber durch Stockeinsatz doch recht stabil noch Meter machen.
Von Ferleiten waren es nur 7km zur letzten größeren Verpflegungsstation in Fusch, dennoch konnte ich mich nicht lange aufhalten, es waren noch 15km und 600hm zu bewältigen und die Cut-Off-Zeit saß schon etwas im Nacken und ich wusste, ich kann mich nur noch langsam gehend fortbewegen.
Im Wald und auf Wiesen ging es dann doch wieder steil aufwärts, dies machte mir aber wenig aus, irgendwie ging das als einziges noch ganz gut. Dann aber eine lange Querung auf Forststrasse – das war eine Qual, noch mal 160hm rauf und dann ein steiler Downhill im Wald, mit engen Serpentinen und schon schwindendem Licht. Das war dann schon durchaus eine gefährliche Mischung: Null Kraft mehr in den Oberschenkeln, steiler Abhang rechts und einsetzende Dunkelheit – es war immerhin schon 21 Uhr und ich 14h unterwegs…
Irgendwann dann lichtete sich der Wald, man hörte schon die Menschen schreien im Zielgelände und sah die Lichter von Kaprun. Kurz durch den Ort, nahm ich noch die restlichen Kräfte zusammen und kam noch mal ins Laufen, angetrieben von den Rufen im Zielgelände. Nach 13h und 57min kam ich dann durchs Ziel, 1h Zeit wäre noch gewesen, um in der Karenzzeit zu bleiben, also durfte ich mir die Medaille um den Hals hängen lassen und 3 ITRA-Punkte gutschreiben (und 8% aus meiner Altersklasse waren sogar noch langsamer!) Bewegungszeit netto: 13h40, also hab ich tatsächlich nur 17 min Pausen gemacht.
Nachsatz: Der Weg ins Hotel (normal 15 min zu Fuss, nach dem Rennen waren es aber dann sicher 30 min), war noch eine Challenge, das Ausziehen der Socken und die nächsten zwei Tage auch. Stiegensteigen vermied ich, Sitzen und Liegen ging aber ganz gut.
Einen Alpencross sollte man wegen der schönen und wechselnden Landschaft eigentlich genießen, aber es geht auch minimaler Zeit schnell einmal quer durch. Das wollte ich auch mal ausprobieren.
Der rascheste und einfachste Weg ist von Bayern aus über den Achensee, an Innsbruck vorbei über den Brenner und durch das Eisacktal nach Bozen. Das sind 230km mit 2300hm, das sollte sich also an einem Tag ausgehen.
Also mit dem Zug nach München, da dort aber die Hotels so extrem teuer sind, weiter nach Bad Tölz, wo ich eine einfache Gaststätte (mit einem herrlichen Burger-Abendessen) gefunden habe.
In der Früh dann gleich ohne Frühstück los – das kann man sich in Deutschland easy leisten, weil so viele Bäcker herrliches Gebäck unterwegs anbieten.
Am wunderschönen Achensee vorbei, runter ins Inntal, oberhalb von Innsbruck dann auf der alten Brennerstraße hoch, mit Blick auf die Brennerautobahn, wo die Autos im Schritttempo nur vorwärts kamen.
Mit dem Brenner waren die Höhenmeter eigentlich auch schon abgeschlossen, von dort führte dann die alte, zu einem Radweg umgebaute Zugstrecke hinunter ins Eisacktal, durch Sterzing, Brixen und dann bis nach Bozen, zu 90% auf einem eigenen, ruhigen Radweg.
Die wunderbare Südtiroler Küche mit Salat, Schlutzkrapfen und Eis belohnte für den langen Tag am Rad.
Am nächsten Tag dann mit dem Direktzug (!) von Bozen nach Wien und um 16 Uhr war ich wieder im Dienst.
Die SellaRonda (also die Umrundung des Sella-Massivs in den Dolomiten) stand ja auch schon lange auf meiner Wishlist. Dadurch, dass die Zuganbindung in den Süden Österreichs nun deutlich besser ist, wagte ich also das Experiment, an einem verlängerten Wochenende (Samstag bis Montag) nur deswegen wieder einmal (in der Woche davor war ich ja mit dem Mountainbike in der Gegend schon unterwegs) ins Pustertal zu reisen.
Auch diesmal klappte die Anreise von Samstag nachmittag bis Samstag abend recht gut, Wien- Villach, Villach-Lienz, Lienz – Toblach mit kurzer Verspätung.
Sonntag dann von Toblach nach Bruneck und von dort ins Gadertal Richtung Sella. Gleich am Beginn sprang mir jedoch die vermeintlich schlechte Nachricht des Tages in die Augen, ein Schild „Sperre Dolomitenpässe 5.7.2026“, also genau an MEINEM Tag! In der Hoffnung, dass es sich nur auf Autos bezieht, fuhr ich dennoch hinauf Richtung Corvara / Alta Badia. Dort erkannte ich dann den Grund: der Maratona del Dolomiti fand genau heute statt, das berühmte Radrennen über die wichtigsten Dolomitenpässe! Ganz unschuldig mischte ich mich einfach unter die Teilnehmer und konnte so die Straßensperren überwinden – und staubte noch dazu bei einer Verpflegungsstelle eine Banane ab 🙂
Somit waren die ersten Pässe auch tatsächlich autofrei, von Badia über den Passo Campolongo nach Arabba hinunter, dort aber zweigte die Rennstrecke ab und ich fand mich auf der Auffahrt zum Passo Pordoi wieder zwischen Autos (wenige) und Motorräder (viele). Danach noch den Passo Sella und zum Abschluss den Passo Gardena mit herrlichem Blick auf das Grödnertal und nach Alta Badia hinunter.
Die Abfahrten waren auf herrlichem frischen Asphalt und bei den Auffahrten gab es oft eine eigene Radspur und der Blick links und rechts auf die Felswände – zum Greifen nah – brachte viel Abwechslung. Gesamt 111km und 2500 hm.
In Alta Badia war dann am Abend auch recht viel los, weil dort ja auch die Zielankunft des Rennens war, so waren dann auch recht viele Geschäfte offen und halt tausende Top-Rennräder, geschniegelt und gestriegelt.
Am Montag dann ging es schon wieder retour, wollte aber noch den Passo Valparola mitnehmen, immerhin auch einer der berühmten Dolomitenpässe, den ich noch nicht in den Büchern hatte. Bei leichtem Nieselregen ging es zuerst hinunter nach Baldia und dann 800hm rauf zum Pass, wo mich dann schon die durchbrechende Sonne erwartet. In traumhafter Dolomitenkulisse ging es dann nach Cortina hinunter und durch das Höhlensteintal mit Blick auf die Drei Zinnen dann zurück nach Innichen zum Zug, der mich am Abend noch nach Wien brachte.
An vielen Ecken Süd- und Osttirols sind in den letzten Jahren kleine, aber feine Trailparks entstanden und wenn Videos dazu in den eigenen Stream gespült werden, bekommt man natürlich Lust, diese selbst zu erkunden. Der Stoneman Dolomiti stand ja bei mir auch noch irgendwie am Programm, die Road-Version hatte ich ja schon in den Büchern, aber um alle Mountainbike-Strecken zu absolvieren, muss die MTB-Version noch dran. Also auf zur Planung einer Reise in dieses Gebiet! Und die Planung war tatsächlich nicht so trivial, ohne Auto und maximal viel in 5 Tage hineinpacken, ob das klappt?
Bikepark Lienz – Stop-Over
Also: Sonntag 8.30 Zug von Wien nach Lienz – Perfekt! Platz für Fahrrad, angenehmer Zug, pünktlich in Villach angekommen, dort in Regionalbahn nach Lienz. 4 Stunden Stop-Over bis zum Zug nach Innichen. In den 4 Stunden auf zum viel gelobten Bikepark Lienz, Tagesticket zwar recht teuer für grad mal 3 Haupttrails, der oberste „Peter-Sagan-Trail“ mit toller Aussicht, aber schnell und sehr jumpy, der Blaue ins Tal auch eher fad, aber der rote „Alban-Lakata“ war dafür umso toller, anspruchsvoll, weil es auch eine Enduro-Line eines vor kurzem stattgefundenen Rennens gab, manche Sprünge bin ich aber umfahren.
Dann in den Zug nach Innichen, dort ein luxuriöses Hotel in der Innenstadt gebucht und Pizza als Abendessen. Die Anmeldung für den Stoneman hat auch geklappt, man hat mir die Unterlagen und die Stempelkarte sogar ins Hotel gebracht, also konnte ich am folgenden Tag aufbrechen.
Stoneman Dolomiti GOLD
Da ich die Gold-Version fahren wollte, also 4000hm, über 100km, rechnete ich mir 12h Fahrtzeit, Aufbruch daher um 6 Uhr, erster Anstieg gleich mal 1300hm auf 10km in einem Durch, zuerst Asphalt, dann Forststrasse durch Wald, dann oberhalb der Baumgrenze Richtung erster Gipfel – sagenhafter Blick auf die Dolomiten gegenüber.
Runter wieder über Forststrassen nach Sillian, dort stand dann gleich der nächste Uphill mit 1400hm an und noch ein paar Steigungsprozenten mehr, teils auch heftig in der Sonne. Zum Glück gab es auf der Hälfte eine Hütte, die mich mit Wasser und Eis versorgte. Noch sagte der Wirt: „Bist eh gut in der Zeit“. Den Rest zur Scharte mit teils über 20% musste ich dann doch oft schieben, aber irgendwann ist man ja dann doch oben (in dem Fall auf 2400m). Dort ging es dann den Hang entlang recht spassig über Wanderwege, die sog. „Demut-Passage“ mit laufendem Blick auf die Dolomiten und 3 Zinnen im Hintergrund.
Leider begann dann ausgerechnet bei der Vorderradbremse der Druckpunkt zu wandern und ich griff beim Bremsen dann öfters ins Leere – auf 2400m mit einer folgenden Abfahrt von 1000hm nicht gerade ideal. Die Hangfahrt war zwar pittoresk hochgebirgig schön, aber ich machte mir dann doch etwas Sorgen, ob ich heil hinterkommen kann. Bei einer Rinne zerlegt es mich dann schon mal, aber zum Glück nur Abschürfungen, also hieß es dann ganz vorsichtig mit ABS-Manövern hinunterrollen.
Im Tal fand ich dann zum Glück einen Supermarkt, machte zum ersten Mal wirklich Rast und siehe da – nachdem das Bike 30 Minuten auf der Seite gelegen war – war der Druckpunkt wieder da und alles OK.
Also nahm ich dann noch den letzten Anstieg mit 800hm in Angriff – immer mit der Zielzeit VOR 20 Uhr zurück zu sein, um noch zu versuchen, Roland Stauder, den Erfinder der Stoneman-Challenges – persönlich zu treffen.
Mit letzten Kräften gings zur letzten Stempelstelle, aber dann nur noch abwärts, wo ich dann tatsächlich noch Roland traf, ein bisschen plauderte und ein Zielfoto mit ihm machen konnte. Pünktlich um 20Uhr dann im Hotel zurück, auf Nudeln und Bett.
Am nächsten Tag hatte ich wenig Lust nach Uphill, aber zum Glück war ja Bruneck recht nah und der dortige Bikepark Kronplatz. Gut mit der Pustertalbahn erreichbar, Tagesticket gelöst und bequem mit der Gondel geshuttelt. Am Kronplatz selber ist viel los, weil auch Wanderer dort gut unterwegs sein können, Familien und weil es auch ein beliebter Startpunkt für Gleitschirmflieger ist. Das Geniale daran ist die 360 Grad Rundumsicht, im Norden Großvenediger und Großglockner, im Süden Dolomiten und Marmolada, rundherum Berge und 3000er.
Hier gab es schon ein paar mehr Trails, die schwarzen waren mir aber schon zu heftig, der Herrnsteig ist aber einer der genialsten Trails, die ich je gefahren bin. Schön lang (1000 Tiefenmeter), teils verspielt, teils fordernd und stets irgendwie anders, nie fad.
Von Bruneck dann mit der Pustertalbahn zurück nach Lienz und von dort hoffte ich, im Bus bis nach Kals mitgenommen zu werden. Auch wenn der Busfahrer („die Mitnahme von Fahrrädern liegt in der Entscheidung des Busfahrers“) etwas ruppig war „Die Radln san zum Fahren da, net zum Busfahren“, durfte ich dennoch mit und kam zu meinem 2. Hotel der Reise in Kals am Großglockner.
Am Abend bin ich dann noch draufgekommen, dass gerade Mittwochs der Seilbahnbetrieb Ruhetag hat (!), also freundete ich mich schon mal mit dem Gedanken an, doch die 1000hm hochzutreten, dafür die Trails aber dann halt nur 1x zu fahren.
„Bikepark“ Kals
Im Endeffekt war es somit kein Bikepark, sondern nur 2 ausgewiesene gebaute Trails von der Adlerlounge runter. Der anstrengende Weg hinauf war jedoch gesäumt von einer wunderschönen hochalpinen Landschaft mit stetem Blick auf den Großglockner. Der obere Trail war landschaftlich dadurch top, echt anspruchsvoll aber dann erst der untere Teil, der Görner Trail – so wie man sich einen idealen Trail vorstellt: steile Switchbacks, kleine Sprünge, ruppige Wurzelpassagen, Steinfelder, einfach alles dabei!
Nach einer Mittagsrast beim MPreis hatte ich aber dann noch einen ganzen Nachmittag vor mir und erinnerte mich an einen Geheim-Tipp meines Hotelwirten im Ort: Das Teischnitztal.
Also noch mal 900hm hoch, über eine eher langweile Forststrasse, aber zumindest im Wald und somit schattig, kommt man zuerst zu einer tiefen Schlucht mit Wasserfall. Wenn man diese Rampe überwunden hat, eröffnet sich vor einem ein herrliches, einsams Hochtal mit direktem Blick auf das Teischnitzkees und Gletscherbruch und direkt darüber trohnt der Großglockner – einfach ATEMBERAUBEND!
Über kleine Schneefelder und einer Abkühlung im Gebirgsbach gings dann wieder runter, wo ein Eisbecher auf mich schon wartete.
Um noch meinen Plan zu vervollständigen, nahm ich am letzten Tag den ersten Bus um 6.40 zurück nach Lienz, von dort mit dem Zug nach Villach, den schweren Rucksack im Schließfach deponiert und nach Faak, um mir noch lake.bike anzusehen…wenn ich schon mal in der Nähe bin.
lake.bike
Von Faak musste man dann noch mal 500hm rauf zum Baumgartner und dem Trailcenter dort. Der Uphill der Trails war zwar nur 150hm, aber für jeden Biker waren unterschiedliche Trails dabei: Blaue einfache, rote Jumplines und rote fortgeschrittene und auch einige schwarze Trails mit echt hohen Drops, Switchbacks und Stufen. 4 Uphills gehen sich da schon mal locker aus, dazwischen eine Eispalatschinke beim Baumgartner mit herrlichem Blick auf den Faaker See, Villach und die Berge. Bis nach Latschach führt dann ein abschließender wunderbarer, teils auch recht rougher Trail und man rollt gemütlich bis nach Villach zurück. Dort den Zug nach Wien und um 20.36 pünktlich, verschwitzt, stinkend und müde, aber voll mit Eindrücken von Trails, Trails, Trails wieder zurück
Eigentlich wollte ich mir ja den Alpen-Adria Radweg mal geben, jetzt, wo die Zugfahrt auf der Südstrecke ja deutlich verkürzt wurde. Idee war, von Salzburg aus über den Glockner nach Kärnten und von dort dann den Alpen-Adria Radweg nach Grado zu nehmen und am Folgetag mit der neuen Zugstrecke von Triest nach Wien zurück. Ein Ticket mit Radmitnahme (im ganzen Zug gab es gerade einmal 6 Fahrradplätze!) konnte ich für Samstag nachmittag ergattern: in 7 h von Triest nach Wien ist schon eine coole Sache!
Das Wetter machte mir jedoch einen Strich durch die Rechnung, es sagte Schnee und Regen auf Glockner voraus, am Freitag jedoch wieder schönes Wetter. Also nahm ich dann den Zug am Freitag gleich in der Früh (6.15) nach Villach, wo ich um 10 Uhr ankam. Dazu wählte ich die Westbahn – die neuen Zugabteile sind wirklich top modern und super sauber.
Von Villach gings dann nach Tarvis, über den Predil ins Soca-Tal und dort lange entlang bis mich die Soca in Italien wieder ausspuckte. Teils auf schönen Radwegen in der Schlucht entlang, teils aber auch auf stark befahrenen Bundesstrassen – man kann halt nicht alles haben. Dafür links und rechts steil aufsteigende Berghänge, die gegen Ende immer flacher werden und man in der italienischen Ebene mündet. Dort jedoch sehr unangenehme Bundesstrassen bis nach Monfalcone und man das erste Mal das Meer erblickt.
188km von Villach nach Triest, knapp über 8h Fahrzeit, Berge, Täler, Meer, durch 3 Länder, alles an einem Tag!
Am 2. Tag musste ich ja um 14 Uhr den Zug nach Wien nehmen, daher hatte ich nur begrenzt Zeit, wollte aber unbedingt auf die Parenzana (eine ehemalige Eisenbahnstrecke, die zu einem sehr beliebten Touri-Radweg umfunktioniert wurde). Also erst mal raus aus dem Verkehrsgewühl in Triest, dann ans Meer nach Slowenien bis Izola und von dort ein bisschen durchs Hinterland auf die wunderschöne Parenzana nach Portoroz in Kroatien. Dort kehrtgemacht, damit ich wieder rechtzeitig in Triest bin und somit das 4. Land auch abgehakt.
Die eigenen Grenzen ausloten, dazu bietet das Event Burgenland Extrem Bike jeden Jännner (!) eine gute Gelegenheit, für Wanderer und auch für Radfahrer. Während die Wanderer am Tag nach den Bikern um 4 Uhr morgens aufbrechen, um den Neusiedlersee einmal zu umrunden (ca. 120km), fahren die Radler um 8 Uhr morgens los, um 1, 2 oder sogar 3 mal rund um den See.
Das Ausloten hat diesmal besonders gut geklappt, es versprach, einer der kältesten Tage der letzten Jahre zu werden und dicke Eisschichten machten ca 20% der Strecke besonders herausfordernd.
Trotzdem starteten 105 dick angezogene Fahrer auf ihren Gravel-oder Mountainbikes, ca. 1/3 mit Spikes ausgestattet, die Runde und schon auf den ersten vereisten Kurven lagen auch schon die ersten auf dem Boden – so wie bei vielen der folgenden Eisabschnitte auch.
Die Sonne zeigte sich auch den ganzen Tag nicht, und Wind frischte auf 30km/h auf – perfekte Bedingungen also für das Ausloten.
Die erste Runde ging noch ganz gut, dick verpackt in Daunenjacke, Überschuhen und dicken Handschuhen war die Kälte eigentlich gar nicht das Problem, umso mehr aber die Eisstrecken. Zum Glück hatte ich auf willhaben noch um 20 € Spikereifen ergattert, dennoch zerstörten die Eisabschnitte massiv den Schnitt. Mehrere Labestationen boten Spaghetti, Kürbissuppe oder Gulaschsuppe, da die eigene Verpflegung in den Radtaschen sehr verlässlich vereisten – ebenso die Getränke in den Flaschen binnen kürzester Zeit. So schleppte ich bis ins ziel 2 kg Eisbrocken mit.
Statt der geplanten 5h brauchte ich also 6h für die erste Runde zurück nach Oggau. Dort erfuhr ich, dass selbst der schnellste 5h und 10 min brauchte (normal wären 4h). Damit gab ich die Hoffnung auf 3 Runden auf, wagte aber dennoch noch eine zweite und startete als einer der letzten in die 2. Runde. Nach kurzer Zeit holte mich dann ein anderer Fahrer, der tatsächlich als letzter die 2. Runde startete ein und wir beschlossen, gemeinsam die Runde durchzuhalten. Markus Adam stellte sich dann als wahrer Abenteurer raus, der Rennen wie das Desert Dash in Namibia absolviert oder mit dem Jetski rund um Island fährt.
Kurz nach einem für mein Rad mit schmalen Reifen sehr mühsamen Abschnitt durch den Wald setzte dann auch die Dunkelheit ein und da waren 2 Lichtkegel dann doch besser als einer. Nach einer Spaghetti-Portion in Ungarn, Kürbissuppe in Podersdorf gab es noch 2 sehr gefährliche Eis-Abschnitte in Podersdorf und Jois, dann sahen wir aber auch schon das Ziel vor Augen. Plötzlich der Anruf des Veranstalters, ob wir noch auf der Strecke wären und ob es uns gut geht. „Ja, wir brauchen noch 1h, bitte wartet auf uns“ – meine flehentlichen Bitten. Scheinbar waren wir wirklich die letzten und niemand ist in die 3. Runde gestartet – also mussten sie noch 1h auf uns 2 warten. Noch der Radweg von Breitenbrunn, Purbach, Donnerskirchen und schon war Oggau in Sicht-
Ankunft 22 Uhr, nach 14h Fahrzeit und 230km, davon 20% auf einer Eislaufbahn.
Ach ja, und es war tatsächlich noch jemand hinter uns, der 30 min später ins Ziel trudelte!
Meist denkt man ja, dass die nächsten Trails im Inland zu finden sind, aber gerade von Wien aus ist man näher zu Bratislava als zu vielen anderen Mountainbike-Routen in Niederösterreich. Und tatsächlich gibt es nördlich von Bratislava – dort wo die Karpaten beginnen – ein kleines, aber feines Trail-Netzwerk. Dank des österreichischen Magazins lines findet man sie auch verortet und beschrieben: https://www.lines-mag.at/trail/bratislava/
Der Herbsttag versprach trocken zu bleiben, also ab ins Auto und auf nach Bratislava, ca 1h Fahrtzeit näher als Wexltrails oder Burgenlandtrails. Schon am Parkplatz bei Kamzik angekommen, merkt man, dass sich hier mehr abspielt, als man denken könnte: Sommerrodelbahn, Kinderspielplatz, Gasthäuser und Kioske und Langos-Buden, und ein Sessellift für einen kleinen Bikepark – an schönen Tagen ist das sicher ein toller Naherholungsgebiet für die Bewohner Bratislavas.
Und dahinter eröffnet sich im Wald ein großes Netz an den unterschiedlichsten Wegen: Asphalt für Rennradler, Wanderwege für Familien und Trailrunner und eigens beschilderte Mountainbike-Routen, die quer durch bis ans andere Ende dieses Waldgebietes führen.
Dort befindet sich dann ein weiterer Trailpark, diesmal ohne Lift, der von einem anderen MTB-Verein betreut wird und wahre Gustostückerln an Trails offenbart. Die mittelschweren sind gut zu befahren, jedes Obstacle kann man auch umfahren, auf die schwarzen haben wir uns aber dann doch nicht getraut.
Der Rückweg geht wieder leicht wellig bergauf-bergab, die einzelnen Höhenunterschiede sind aber nie mehr als 150hm – dennoch kommt man für einen ganzen Tag locker auf über 1200hm – weil es halt auch so viel Spaß dort macht.
Fazit: Nach ein bisschen Schnitzeljagd durch die Karte und Suchen der Wegpunkte hat man enorm viel Spaß in dem Gebiet und freut sich auch über Kioske und Verpflegung an den Randgebieten.
Das Tote Gebirge ist das erste Hochgebirge, das man gut von Wien aus erreichen kann. Zum höchsten Punkt, den Großen Priel mit 2514m, suchte ich mir daher eine Trailrunning-Strecke und entdeckte, dass ein Trail vom Almtal kommend rauf und auf der anderen Seite nach Hinterstoder runterführte – als ab auf die to-Do-Liste!
Bevor der Herbst vollständig zuschlägt, bot sich das letzte September-Wochenende an, das Wetter versprach wechselnd bewölkt, leicht regnerisch, aber machbar zu werden, also let’s try!
Zug von Wien nach Grünau im Almtal, dort ein Quartier im „Haus der Achtsamkeit“ – eine von 2 Ordensschwestern geführte Herberge der Marienschwestern vom Karmel – spartanisch, aber OK. Mühsamer als die Herbergssuche war die Suche nach einem Lokal: die zwei einzigen Gasthäuser im Ort hatten nicht mal mehr Platz für einen armen Nahrungssuchenden, zum Glück gab es einen Selbstbedienungsgreißler, wo ich Brot, Käse und Salami fand.
Um 9 Uhr morgens gings dann mit dem Bus nach Habernau, wo die Strecke startete, 10km zuerst auf Straße und Forstweg nett leicht bergan laufend, dann begann der Steig, bei dem an Laufen nicht mehr zu denken war. 1900hm am Stück bergauf, über Felsen, Leitern, Metallhaken und durch Wolken und Nebel. Kurz nach der Welserhütte verirrte ich mich etwas im Nebel, fand aber nach 20 Minuten wieder eine Markierung und kam so zur Scharte, wo es auf der anderen Seite ins Tal nach Hinterstoder hinabging. Davor jedoch noch über den Kamm zum Großen Priel, dann wieder ein Stück zurück und den stark verblockten Track hinunter zum Prielschutzhaus. Dort einen selbstgemachten Kuchen und Red Bull vor dem letzten Abstiegs ins Tal – leider noch sehr steil – auch da war an Laufen nicht zu denken. Erst auf den letzten 4km konnte ich wieder ins Laufen kommen, dann waren die 30km und 2000hm im Sack.