Ich hatte mir Ende September noch 1 Woche Urlaub reserviert, das Wetter war aber für eine Dolomiten-Tour zu schlecht (Schnee in der Sella-Region), daher entschied ich mich für einen anderen Trip, an den ich auch schon länger gedacht hatte: Von Wien über Prag und Dresden nach Berlin – das liegt lustigerweise genau in einer Luftlinie. Soweit so gut, jedoch gab es just in dieser Woche in Berlin keine günstigen Zimmer (wegen Berlin-Marathon), also suchte ich weiter und fand, dass Rostock auf der selben Luftlinie lag – Also dann auf zur Ostsee – denn Mittelmeer kann jeder.
Als Arbeitsgerät das Surly – bepackt mit 2 Seitentaschen, Ersatzgewand und Regensachen, pro Tag 150-200km und in 5 Tagen sollte ich an der Ostsee sein. Quartiere in Jihlova, Prag, Dresden und kurz hinter Berlin, dann noch Rostock 1 Tag Aufenthalt und am letzten Tag dann Rückfahrt mit Zug, was tatsächlich am schwersten zu buchen war (Rostock-Berlin-Nürnberg-Regensburg-Linz-Wien), na wenn das mal gutgeht…
Samstag um 8 Uhr Start aus Wien, 2 Seitentaschen, eine kleine Lenkertasche und Rahmentasche und eine kleine Gepäckträgertasche – vollgepackt also, letztendlich wurde aber tatsächlich alles davon gebraucht.
Über die Donauinsel nach Hollabrunn und die Retzer Gegend nach Znaim. Es warteten aber noch einige Kilometer bis zum Tagesziel nach Jiholva, die Sonne ging schon um 18.30 unter, ab 19 Uhr war es stockdunkel, Rehe und Hasen kreuzten den Weg. Die letzten Kilometer war es mir am Waldweg dann doch zu dunkel, also über die Strasse nach Jiholva – das Licht, das durch die SON28-Nabe angetrieben wurde, vollbrachte wahre Wunder. In Jiholva hatte um 21 Uhr der McDonald’s noch offen, also am ersten Tag nichts Regionales.
Von Jiholva gings am nächsten Tag durch einsame Radwege und kleine Dörfer, in denen nirgends Tankstellen oder Shops offen waren, Richtung Prag. Ein kleiner Umweg war notwendig, um bei einer offenen Tankstelle Kohlenhydrate und Wasser nachzuladen. Durch schöne, aber einsame böhmische Gegend kam ich dann wieder spät in Prag an, zum Glück gab es überall eRoller zum leihen, also düste ich noch rasch durch die Altstadt, um zumindest ein paar Sehenswürdigkeiten in der untergehenden Sonne gesehen zu haben.
Der Weg von Prag nach Dresden versprach einen schönen Radweg durch die Sächsische Schweiz – laut Internet war dieser auch nach dem Hochwasser wieder befahrbar. Also von der Moldau zur Elbe wechselnd, ein paar Höhenmeter und dann den Elbe-Radweg entlang, das Wasser stand tatsächlich 50cm unterhalb des Radwegs, hin und wieder musste man durch Gatsch.
Auch in Dresden ging sich noch eine Quick-Tour an den historischen Stätten (Semperoper, Frauenkirche, Augustusbrücke usw) vorbei aus, dann im Lokal eine Soljanka-Suppe und Sächsischen Sauerbraten.
Der nächste Tag brachte Regen, brachte mich dadurch mitten in den Naturschutzgebieten nördlichen Dresdens zur Verzweiflung, weil auch eine Navigation nicht mehr möglich war. Da außerdem die Strecke noch lang war und mein Quartier noch 20km außerhalb von Berlin lag, warf ich mich in den Zug, stieg im Osten Berlins wieder aufs Rad, durchquerte Berlin, verputzte die obligate Currywurst und rollte nach Oranienburg in mein Quartier.
Auch der nächste Tag versprach Regenwetter, daher nahm ich auch da für eine Teilstrecke den Zug, stieg in Neustedlitz aber wieder aus und fuhr die restlichen immerhin 150km durch die Heidelandschaft und immer mehr norddeutsch-anmutenden Gebäude nach Rostock ein, als der Regen erneut einsetzte.
Der Tag danach war für einen kleinen lokalen Trip an die Ostsee gedacht, endlich also am Strand, leichter Regen und viel Wind, aber ich hatte keinen Stress mehr, denn ich hatte es geschafft von Wien an die Ostsee! 860km, ca. 6000hm, jeden Tag 8-10 h am Rad.
Die Rückreise war nicht minder spannend, denn ungeplante Änderungen auf der gebuchten Zugstrecke gab es schon nach wenigen Kilometern: Statt zum Berliner Hauptbahnhof fuhr der Zug nur bis Berlin Gesundbrunnen, also war ein Sprint über 2 S-Bahnen rechtzeitig zum ICE notwendig. Der ICE hätte mich nach Nürnberg bringen sollen, jedoch wurde die Folgezüge in Österreich einfach gestrichen, also blieb ich bis München einfach sitzen, erreichte dann aber den Schnellzug nach Salzburg nicht mehr, musste auf den Regionalzug umsatteln, welcher aber wieder über 30 min Verspätung hatte, also war wieder ein Sprint in der 1minütigen Umsteigezeit vom letzten zum ersten Waggon nötig. Dieser nahm mich aber dann zum Glück bis nach Wien mit, wo ich um 20.40 endlich ankam.
Zwei mal bin ich schon die Großglockner Höhenstrasse gefahren, beide Male von Norden (Zell am See) und wieder runter, einmal gleich nach dem Durchstich. Was noch offen blieb war die Überquerung und die Kaiser Franz-Josefs-Höhe mit Blick auf die Pasterze.
Also am Samstag nachmittag ab nach Lienz, und gleich um 6 Uhr morgens dann Richtung Glockner: Vorbei an Heiligenblut rauf zur Pasterze, leider Glockner in Wolken, wieder runter zur Abzweigung zum Hochtor, dort rauf, kurz runter und wieder rauf zur Edelweißspitze (leider auch in Wolken), die ich kurz nach 12 Uhr erreichte. 3000hm in 6 Stunden, 30 Minuten später schon wieder unten im Tal.
Ich muss zugeben, die Bilder zu den diversen Skyruns haben mich fasziniert und die österreichische Bergwelt bietet dazu einiges Potential. Auf der Suche nach neuen Ziele bin ich dann auf einen beeindruckenden Trailrun im Zillertal gestoßen: Den Zillertaler Steinbocklauf, der aber auch als „Marsch“ gegangen werden kann. Von Ginzling auf 1000m zuerst ins Tal hinein, dann steil auf 2815m hinauf zur Mönchner Scharte, von dort runter über die berühmte Berliner Hütte wieder ins Tal. 30km und 1800hm – und das ganze perfekt mit den Öffis erreichbar.
Da ich am Austragungstermin am 17. August nicht teilnehmen kann, habe ich mir einfach einen Tag ausgesucht, an dem ich mit dem Zug und der „alten“ Zillertalbahn nach Mayrhofen gefahren bin und dann frühmorgens mit dem ersten Bus um 7 Uhr nach Ginzling zum Start.
Zuerst gings leicht ansteigend auf einem Forstweg ins Tal hinein Richtung Greizer Hütte, Ziegen wollten mich unbedingt begleiten, vor sich immer der Blick auf die Floitenspitze und den Gletscher davor.
Unterhalb der Greizer Hütte, die selbst Teil des Berliner Höhenwanderweges ist, zweigt der Weg dann rechts ab – nun steil hinauf zur Scharte, über Bäche, Steinfelder, Leiter und kurze Kletterpassage den Grat entlang.
An der Scharte ist man am höchsten Punkt und blickt auf der einen Seite zu den Gletschern der Floitenspitze und auf der anderen Seite zu den beiden Gletschern des Großen Möselers – tolles Bergpanorama links und rechts.
Man merkt auch an den vielen Wanderern, dass der Berliner Weg sehr beliebt ist, führt der doch von Hütte zu Hütte stets zwischen 2000 und 3000m. Für mich gings dann nun wieder abwärts mit Panorama zur berühmten Berliner Hütte, die idyllisch gelegen zwischen den hohen Gipfeln und Gletscher.
Von dort gehts dann nur noch leicht bergab über eine Forststrasse 10km bis zum Ziel bei der Mautstrasse zum Schlegeis-Stausee.
Da ich wegen des drohenden Unwetter eh schon früh gestartet bin, war ich schon um 14 Uhr wieder herunten und konnte mit dem Bus noch zum beeindruckenden Schlegeis-Stausee fahren.
In einigen Mountainbike-Medien wurde immer wieder berichtet von den genialen Trailbauern im Norden Tschechiens, die dorthin auf wenigen Höhenmetern sehr feine, flowig und anspruchsvolle Trails gebaut haben. Also mal was neues abseits der Alpen! So haben wir einen Rundtrip geplant, der uns zu den bekanntesten Trail-Revieren Böhmens und Schlesiens bringen sollte.
Tag 1 von Wien zum Bikepark Geißkopf in Deutschland
Geißkopf ist ein klassischer Bikepark von Didi Schneider gebaut, 1 Lift, der uns ca 400 hm hinaufbringt, von dort dann Tracks von Blau, Rot – Enduro bis Schwarz – reine Downhill-strecken. – super Setting, alles vor Ort, 1 Strecke auch für Familien tauglich, der Rest geht ordentliche in die Arme, Gabel und Dämpfer.
Tag 2 Stoneman Miriquidi
Für Tag 2 war eigentlich geplant eine Tour im Erzgebirge, den halben Stoneman Miriquidi zu fahren, jedoch scheint uns am Sessellift am Geißkopf fad gewesen zu sein, sodass wir sagten „Lass uns doch den ganzen Stoneman in Gold fahren!“: 170km und 4400hm einmal quer durchs Erzgebirge – Stoneman Miriquidi
Also um 5 Uhr aufgestanden, um 6 Uhr gings los, ständig auf und ab, viele Höhenmeter am Stück sind es ja nicht, maximal 600hm, aber dafür viele kleine Gipfel und 9 Stempelstellen, die alle mit dem digitalen Stempelpass des Stoneman abgefahren werden müssen. Der erste Anstieg auf den Fichtelberg war noch im Morgennebel, dann klarte es auf und es ging durch die malerische Landschaft des Erzgebirges, entlang einer alten Rodelbahn und vorbei am Hotel von Jens Weisflog.
Die Beschilderung durch die Stoneman-Organisation war perfekt, ein paar Supermärkte dazwischen und Gasthäuser, kurze Anstiege zum nächsten Checkpoint, mehrmals an der tschechisch-deutschen Grenze entlang und drüber hinweg und dann Richtung Trailpark Rabenberg, wo wir aber dann doch ein paar Trails ausließen, um nicht zu viel Zeit zu verlieren.
Dennoch ging dann schon die Sonne langsam unter und es galt noch 3 Checkpoints zu bewältigen.
Um 22 Uhr erreichten wir dann den letzten Checkpoint Klinovec – gut, dass wir unsere Lampen dabeihatten – und Akkupacks fürs Handy und Radcomputer!
Tag 3 Bikepark Klinovec
Diesmal also nur liften im Bikepark Klinovec – ein schneller Flow-Trail aber auch herausfordernde rote Trails mit Tables, Wallride und Steinfeldern.
Tag 4 Singletrek Pod Smrken
Etwas versteckt in Novo Mesto (Neustadt an der Tafelfichte) an der tschechisch-polnischen Grenze befindet sich ein Trailpark besonderer Güte, bereits 2014 erbaut vom „Godfather of Trails“ Dafydd Davis aus Wales zeigt er, wie auf ganz wenig Höhenmeter ein derartiger Flow in die Natur gelegt werden kann, sodass auch Uphill Spaß macht. Wie ein MTB-Magazin geschrieben hat: „Die Schwierigkeit entscheidet man selbst durch den Speed, den man hinlegt“ – das stimmt, man rollt entweder sanft durch den Trail oder saust mit High-Speed darüber hinweg – Spaß macht es in jedem Fall! – oder man bleibt mit dem Pedal an einem Wurzelstock hängt und parkt mal kurz das Bike im Baum.
Tag 5 Rychleby Trails
Tag 4 beginnt und Tag 5 endet in einem besonders skurrilen Hotel auf tschechischer Seite gleich hinter der Grenze: bis in kleinste Detail mit Fundstücken vom Segeln ausgestattet und viele weitere Highlights:
eine Strechted Limousine vor der Tür
ein Papagei namens Charlie frei im Restaurant
eine Bowlingbahn mitten im Restaurant
Dekosachen in jedem Eck und an jeder Wand bis hin zu Muscheln im Waschbecken
reichhaltiges Frühstückbuffet bis hin zum Kirschlikör als Verdauungshilfe
Die Rychleby-Trails starten in einem Trailcenter mit Bike-Schule, Übungsparcour und Campingplatz – perfekt beschildert und toll hergerichtet, Bike-Shop und Buffett inklusive.
Die Trails haben doch mehr Höhenmeter als in Pod Smrken, einmal rauf sind schon mal 400hm, noch dazu steil, aber eben auch hier in Form eines Trails gebaut in technisch anspruchsvollem Terrain. Schon am weg rauf sieht man den anderen Untergrund, der viel mehr aus großen, moosbewachsenen Steinen besteht und freut sich somit schon auf die neue Trail-Landschaft. Hinunter gehts dann entweder als flowiger Singletrail, der sich perfekt in die Landschaft einfügt, oder eben auf den grünen Steinen, die akribisch in einer Linie, dem Trail folgend, aneinandergeschichtet wurden. Oft muss man sich den Weg über die Steine suchen, orientieren kann man sich an den Kratzen am Stein durch die Pedale und Kettenblätter der Vorgänger.
Tag 6 Enduro-Trails Bielsko-Biala in Polen
Als letzte Station wählten wir in Polen Bielsko-Biala aus, wo schon vor vielen Jahren Enduro-Rennen ausgetragen wurden und seit diesem Jahr auch ein UCI Weltcup Downhill. Eine Gondel führt viele Wanderer und auch ein paar Biker auf 1000m, von wo aus die Trails dann starten. Die Roten wieder endurolastig, aber fahrbar, die Schwarzen lieber nicht. Dem blauen Superflow als Abschluss merkt man schon an, dass er extra gebaut wurde, hohe Anlieger, Wellen und kleine Sprünge – so braust man in hoher Geschwindigkeit ins Tal.
Nach dem Schneeberg-Trail hat mich nun die faszinierende Welt der Skyruns gepackt – als nächstes plante ich die Ötscher-Überquerung. Mit dem Zug und der Mariazellerbahn kommt man direkt zum Start des Nationalpark-Zentrums in Wienerbruck, wo die Ötschergräben beginnen. Man läuft durch die pittoreske Landschaft zwischen Wasserfällen, Wurzelteppichen und kleinen Schluchten bis man rechts Richtung Rauer Kamm abzweigt.
Dort geht es steil durch den Wald hinauf, an der Felswand vorbei und gelangt so auf den Klettersteig Rauer Kamm, den Ostgrat des Ötschers. Etwas überrascht von den doch heftigeren Kletterpassagen, bei denen links und rechts die Wand steil hinabfällt und man nur mit Trailschuhen ausgestattet – gelangt man so zum Ötscher mit herrlichem Rund-Um-Blick. Über Gras und Stein geht es hinunter zum Ötscher-Schutzhaus, wo man zum Glück die Wasserbeutel wiederauffüllen kann. Dann noch runter über die Forststrasse nach Lackenhof und dort mit 2 Bussen und 2 Zügen zurück nach Wien.
Das schönste Kompliment kam von 2 jungen Burschen, die ich bei der Rückfahrt getroffen habe: „Boah, die Strecke hast du an EINEM Tag gemacht? Wir sind 2 Tage unterwegs gewesen“ – Tja, Traillauf eben. 😉
Beschäftigt man sich mit Jedermann-Mountainbike-Rennen in Österreich, so stolpert man unweigerlich über die Salzkammergut-Trophy, das größte Mountainbike-Rennen mit unzähligen Streckenvarianten und einem 3-tägigem Event in Bad Goisern, mitten im Salzkammergut.
Die A-Strecke mit 200km und irrwitzigen 7000hm ist eigentlich nur Profis wie Lukas Kaufmann (der eine Woche zuvor noch 2. beim RAAM – Race across America – wurde) und Konsorten vorbehalten. Bis zur G-Strecke mit gemütlichen 500hm, ein Gravel-Strecke, und sogar eine Einrad-Wertung gibt es – für jeden also etwas dabei.
Dieses Jahr konnte ich mir dafür freinehmen und entschied mich für die D-Strecke, die sogenannte All-Mountain-Strecke mit höchstem Trail-Anteil und schwierigeren Downhill-Streckenabschnitten: 58km und 1970hm. Der Start dieser Strecke war in Bad Ischl, das Ende in Bad Goisern, wo quasi die gesamte Stadt abgesperrt war exklusiv für die über 4000 Starter plus Begleitung. Da ich mit Bahn und Rucksack anreiste und mein Hotel in Strobl war, musste ich also noch am Morgen des Rennens per Bike von Strobl nach Bad Ischl und abends dann von Bad Goisern wieder zurück nach Strobl, das ersparte immerhin das Aufwärmen und Cooling-Down.
Knapp 200 Starter an der D-Strecke sammelten sich also vor 11 Uhr in Bad Ischl, der Start erfolgte neutralisiert, damit die anderen Touristen sich nicht erschrecken vor den Wahnsinnigen, die mit vollem Karacho durch die Stadt treten.
Auf Forststrassen geht es nun die ersten Höhenmeter hinauf, Zuschauer an den Seiten treiben an und viele Streckenposten weisen den richtigen Weg, der schließlich plötzlich abzweigt in den Wald und auf einen schmalen Trail, der noch von den gewaltigen Regengüssen der Nacht extrem nass und gatschig war, teilweise unfahrbar. Durch mein trail-lastiges Bike konnte ich die Hardtail-Fahrer bzw. die mit leichten Crosscountry-Reifen doch im Bergab überholen, bis sie mich beim Uphill wieder stehen ließen. Der Weg runter waren tatsächlich recht herausfordernd, nicht nur wegen des Gatsches, der die Steine rutschig werden ließ, sondern weil er grundsätzlich auch recht heftig über Stein- und Geröllfelder und Wurzelpassagen durch den Wald führte. Unten dann die erste Verpflegungsstation mit Wasser, Iso, Riegel, aber auch Landjäger, Käse- und Brotstücke.
Dann gings den selben Berg wieder rauf, diesmal bis zum Pass Richtung Bad Goisern 900hm am Stück, selbe Forstrasse, selbe Fahrer, die mich wieder überholten. Man fährt so gesehen in einer Gruppe, aber jeder für sich und keiner gönnt sich kurze Rast zum Durchschnaufen. Oben zum Glück wieder eine Verpflegungsstation – mit den Resten, die die Schnelleren übriggelassen haben. Dann sind die 1900hm geschafft und es geht nur noch runter nach Bad Goisern, teilweise Forststrasse, aber auch immer wieder recht heftige Trails – erkennbar an Streckenposten, die an heiklen Stellen sitzen und notfalls die Rettungskette alarmieren können und ebenso erkennbar an den vielen Trinkflaschen, die den Wegrand säumten, weil im Gerumpel der Flaschenhalter W.O. gab.
Ein Highlight stand noch bevor: der Weg durch die Ewige Wand, wo dann auch die Sportfotographen warteten, um Fotos für die Teilnehmer zu schießen. Ein paar schwierigere Steilstücke, die Anfeuerungen und Lobrufe der Streckenposten beflügelten dann ins Tal. Dort gab es noch einen Überraschungsmoment, mitten in Lauffen, ein Vorort von Bad Goisern, zeigen Pfeile links hinab, dort dann ein steiler Treppenkurs, unten steht dann noch ein Fotograph, bin komplett überrumpelt, Sattel war noch oben, anhalten geht nicht mehr, also Augen zu und durch – zum Glück gut gegangen. Nicht nur diese, aber andere Stellen im Trail waren schon so, dass, wenn ich nicht ein Rennen gefahren wäre und mir die Stellen von unten angesehen hätte – ich diese definitiv NICHT gefahren wäre…
Dann noch flach eine Schleife zurück, leider überholten mich da noch ein paar Fahrer, ich war schon leicht fertig, dann im Zieleinlauf super Stimmung, viel Anfeuerung, Ziel nach 4h 52!
Wer sich als Wiener mit Traillauf beschäftigt, kommt unweigerlich irgendwann mal auf die Idee, auf den Schneeberg raufzulaufen, schließlich findet dort auch einmal pro Jahr ein Wettbewerb in 3 unterschiedlichen Längen statt. Für mich interessant war der mittellange Trail mit 20km und 2000hm, war neugierig, ob ich diese Distanz bzw. eigentlich diese Höhenmeter hinbekomme.
Sonntag morgens mit dem Zug nach Puchberg, dort um 9.30 gestartet, zuerst Forstweg, dann steil durch den Wald zum Öhler-Schutzhaus, die steilen Waldstücke waren nur gehend zu bewältigen, dann den Kamm entlang zum Schober auf 1200m mit erstem schönen Blick auf den Schneeberg und ins Tal nach Puchberg. Von dort wieder 300hm hinunter zum Fuße des Fadensteiges.
Dort steil im Wald und dann auf Felsen den Fadensteig hinauf zum Schneebergplateau. Leicht ansteigend zum Hochschneeberg, von dort der Blick schon runter Richtung Ziel zur Bergstation Schneeberg. Ziemlich K.O. dort um 14.30 angekommen, zum Glück dort noch ein Ticket für den Bahn hinunter bekommen. uff, geschafft, mein bisher schwerster Traillauf über 20km und 2000hm.
„Wo geht’s du dieses Wochenende Rad fahren?“ – „Och, ich fahr ins Bergwerk“ – Das hat Erklärungsbedarf: Ja, in Slowenien haben tatsächlich ein paar Mountainbike-Cracks das ehemalige Blei-Bergwerk in Mezica gleich hinter dem Petzen in den weltweit ersten Enduro-Trail unter Tage umgebaut. Jeden Samstag und Mittwoch führen Bike-Guides durch den Trail DURCH den Berg. 500m Berg über einem und 5km tief im Berg drinnen geht’s zur Sache. Mehrere Monate Arbeit, ehemalige Minenarbeiter haben viel geholfen, gearbeitet wurde mit Presslufthammer … und Dynamit! Damit ist es auch der einzige Trail weltweit, der mit Dyanmit gebaut wurde!
Die Stollen sind zwar waagrecht, aber da Blei immer von unten nach oben entlang der Ader abgebaut wurde, entstanden riesige Höhlen im Berg – von einer Ebene in die andere und dort entlang führt der Trail. Gut beschreiben kann man das ohnedies nicht, daher hier das Video:
Wenn man so Rennrad-Rundfahrten verfolgt, will man natürlich auch einmal testen, wie es ist, durch das ganze Heimatland zu fahren. Auch wenn überirdische Profis wir Christoph Strasser das nonstop in 28 Stunden schafft, wie lange braucht ein Normalo wie ich?
Am Dienstag hatte ich einen Vormittagstermin in Salzburg, also ungefähr in der Mitte, also dachte ich mir, ich nutze diese Gelegenheit und teste eine Österreichdurchquerung aus: Samstag mit den Nachtzug nach Bregenz (BTW: die neuen Mini Cabins sind wirklich großartig! 40 € Aufzahlung und man bekommt ein eigenes Reich, wo man gut schlafen kann plus 2 Frühstückssemmeln!). Man kommt dann um 8.30 in Bregenz an und kann gleich lostreten – Ziel: Über den Arlbergpass (Silvretta Höhenstrasse war leider noch geschlossen) Richtung Innsbruck.
Wegen der Sperre des Arlbergtunnels musste natürlich auch viel Autoverkehr über den Pass, ansonsten gab es einen wunderschönen Radweg zumindest bis nach Stuben, dort ignorierte ich das Radfahrverbot (wie sollte ich sonst rüber kommen???), nach 1200hm am Stück gab es am Pass tolle Sicht und tolles Wetter. Auf der Arlberg-Ersatzstrasse (die Autos hatten ja dann die Schnellstrasse) dann ins Inntal, dazwischen jedoch eine Totalsperre (sogar für Fußgänger!) bei Strengen, keine Alternative in Sicht – die Empfehlung auf der Tafel, über den Arlbergpass zu umfahren (sic!) war auch keine Option. Zum Glück entdeckte ich auf Komoot aber eine kleine Forstrasse mit Brücke, die mich zur Strasse, die von Ischgl ins Tal führte, brachte (Rad schiebend und tragend halt). Und dann am schönen Inntal-Radweg bis kurz vor Innsbruck weiter, wo ich vom Arlbergpass aus noch per Booking ein Zimmer in einem Gasthaus buchte. Die 80jährige Wirtin verköstigte mich mit Tiroler Spezialitäten und brachte mich mit der Aussage „So ein junger Bursch wie Sie fährt doch sicher ohne Motor!“ zum Erröten.
Am zweiten Tag gings dann durch Innsbruck durch weiter das Inntal hinunter über Wörgl am Wilden Kaiser vorbei nach Lofer und von dort über das kleine Deutsche Eck nach Bad Reichenhall und schließlich Salzburg, noch mal 180km aber nur mehr etwas über 1000hm. Der Weg führte hauptsächlich über asphaltierte Radwege, selbst das Tunnel beim Grenzübergang konnte ich so umfahren und ebenso wunderschön am Thumsee entlang. Hin und wieder musste ich schon auf die stark befahren Bundesstrassen ausweichen, aber immer nur relativ kurze Stücke.
Nach dem Termin am Dienstag vormittag in Salzburg beschloss ich noch bis nach Wels die 100km weiterzufahren, damit ich am Mittwoch nicht bis in die Nacht durchfahren musste. Die Radwege nach Wels waren trotz Regens gut befahrbar und auch da musste ich nur hin und wieder auf die unangenehme B1 ausweichen.
Der letzte Tag war wieder mit schönem Wetter gesegnet, es ging nun darum, die restlichen 240km nach Wien abzuspulen. Zuerst nach Linz zum Donauradweg und diesen dann entlang durch den Strudengau, Melk, Wachau, Krems nach Wien durchdrücken, wo ich gegen 18 Uhr meine 714km Tour durch Österreich beendete.