Laufen und Berge lassen sich perfekt kombinieren im Sport des Trailrunnings und wenn man dann noch im Hochgebirge unterwegs ist, kommt noch mal der Aspekt des Abenteuers dazu. Alle 3 Dinge zusammen findet man in Bewerben wie z.B. dem Glockner Ultra Trail: https://www.ultratrail.at/ Dort ist mir die Strecke mit 57km und 3500hm ins Auge gestochen (der GGT), als Ziel, einen ersten Ultra (also mehr als die Marathon-Distanz von 42km) zu finishen, noch dazu in einer Bergkulisse, die für Trailrunning so ziemlich einzigartig ist – von der Südseite des Glockners, Kals, nach Norden, Kaprun.

Aufgrund meiner Knieprobleme wollte ich mich ummelden auf die kürzere Distanz von 37km, den GWT, erkannte jedoch 1 Tag vor Start, dass der GWT einen Tag früher stattfindet und somit eine Ummeldung nicht möglich war – also musste ich dann doch die Distanz von 57km (den GGT) versuchen, hatte aber schon ziemlich Panik davor, nicht zu finishen.

Zugverbindung bis Zell am See, dann mit dem Bus nach Kaprun, dort war schon alles auf das große Spektakel GGUT eingerichtet, mehrere Tausend Läufer auf vielen verschiedenen Distanzen. Die längste mit 110km und über 6000hm startete ja schon am Abend davor, um 21.30 von Kaprun über Kals und wieder zurück, während ich mich schon sichtlich nervös früh ins Bett legte, weil ich ja schon um 4 Uhr aufstehen musste, um den Transferbus um 5 Uhr von Kaprun nach Kals zu erreichen.

Beim Start wurde die Pflichtausrüstung noch gecheckt und bei den ersten Sonnenstrahlen versammelten sich die 400 Teilnehmer des GGT und bewunderten und beklatschten die Läufer des ganzen Ultras, die ja die Nacht schon durchgelaufen sind und nun unseren Startbereich durchquerten.

Punkt 7.30 gings dann los, schon nach ein paar hundert Metern gings dann auch schon bergauf, konstant von Kals auf 1300m bis zur Glorer Hütte auf 2642m, wo der erste Checkpoint und Verpflegungsstelle lag.
Dort begann dann auch der wunderschöne Höhentrail, immer wieder runter, rauf, Hang entlang mit stetem Blick auf den Großglockner bis zur Stockerscharte. Von dort kurz hinunter zum Margaritzenspeicher und wieder rauf zum Glocknerhaus, wo die nächste Verpflegung und viele klatschende Touristen wartete.

Mit Blick auf den Glockner von dieser Seite aus, gings nun wieder heftig rauf zur Pfandlscharte, dem höchsten Punkt mit 2663m, Auf der anderen Seite dann sicherlich das Highlight der Route, das Pfandlschartenkees: Zuerst recht spaßig konnte man über das Schneefeld rutschen, die einen am Hosenboden, die anderen – und da kam mir meine Erfahrung als Skifahrer zugute – konnten sauber in Skistellung (ein Fuss vorne, der andere hinten zum stabilisieren) runtersliden. Der zweite Teil des Schneefeldes war jedoch so steil, dass die Veranstalter Seile spannten und die Bergrettung auf Steigeisen daneben sicherte. Langsam hangelte man sich also auch diesen Teil runter und kam wieder auf Fels und Wiese an.

Ab dort gings dann in steilen Serpentinen runter bis zur Mautstelle Ferleiten. Der Downhill ist nicht so meins, dort wurde ich sehr oft überholt, wie Gämsen sprangen die Läufer den Wanderweg hinab, ich wanderte eher. Im Flachen versuchte ich dann wieder ins Laufen zu kommen, merkte aber schon bald, dass meine Oberschenkel zumachten. Sobald es – auch schon bei geringem Gefälle – runter ging, war nur noch Gehen möglich, beim Uphill konnte ich aber durch Stockeinsatz doch recht stabil noch Meter machen.

Von Ferleiten waren es nur 7km zur letzten größeren Verpflegungsstation in Fusch, dennoch konnte ich mich nicht lange aufhalten, es waren noch 15km und 600hm zu bewältigen und die Cut-Off-Zeit saß schon etwas im Nacken und ich wusste, ich kann mich nur noch langsam gehend fortbewegen.

Im Wald und auf Wiesen ging es dann doch wieder steil aufwärts, dies machte mir aber wenig aus, irgendwie ging das als einziges noch ganz gut. Dann aber eine lange Querung auf Forststrasse – das war eine Qual, noch mal 160hm rauf und dann ein steiler Downhill im Wald, mit engen Serpentinen und schon schwindendem Licht. Das war dann schon durchaus eine gefährliche Mischung: Null Kraft mehr in den Oberschenkeln, steiler Abhang rechts und einsetzende Dunkelheit – es war immerhin schon 21 Uhr und ich 14h unterwegs…

Irgendwann dann lichtete sich der Wald, man hörte schon die Menschen schreien im Zielgelände und sah die Lichter von Kaprun. Kurz durch den Ort, nahm ich noch die restlichen Kräfte zusammen und kam noch mal ins Laufen, angetrieben von den Rufen im Zielgelände. Nach 13h und 57min kam ich dann durchs Ziel, 1h Zeit wäre noch gewesen, um in der Karenzzeit zu bleiben, also durfte ich mir die Medaille um den Hals hängen lassen und 3 ITRA-Punkte gutschreiben (und 8% aus meiner Altersklasse waren sogar noch langsamer!)
Bewegungszeit netto: 13h40, also hab ich tatsächlich nur 17 min Pausen gemacht.

Nachsatz: Der Weg ins Hotel (normal 15 min zu Fuss, nach dem Rennen waren es aber dann sicher 30 min), war noch eine Challenge, das Ausziehen der Socken und die nächsten zwei Tage auch. Stiegensteigen vermied ich, Sitzen und Liegen ging aber ganz gut.

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