Die eigenen Grenzen ausloten, dazu bietet das Event Burgenland Extrem Bike jeden Jännner (!) eine gute Gelegenheit, für Wanderer und auch für Radfahrer. Während die Wanderer am Tag nach den Bikern um 4 Uhr morgens aufbrechen, um den Neusiedlersee einmal zu umrunden (ca. 120km), fahren die Radler um 8 Uhr morgens los, um 1, 2 oder sogar 3 mal rund um den See.

Das Ausloten hat diesmal besonders gut geklappt, es versprach, einer der kältesten Tage der letzten Jahre zu werden und dicke Eisschichten machten ca 20% der Strecke besonders herausfordernd.

Trotzdem starteten 105 dick angezogene Fahrer auf ihren Gravel-oder Mountainbikes, ca. 1/3 mit Spikes ausgestattet, die Runde und schon auf den ersten vereisten Kurven lagen auch schon die ersten auf dem Boden – so wie bei vielen der folgenden Eisabschnitte auch.

Die Sonne zeigte sich auch den ganzen Tag nicht, und Wind frischte auf 30km/h auf – perfekte Bedingungen also für das Ausloten.

Die erste Runde ging noch ganz gut, dick verpackt in Daunenjacke, Überschuhen und dicken Handschuhen war die Kälte eigentlich gar nicht das Problem, umso mehr aber die Eisstrecken. Zum Glück hatte ich auf willhaben noch um 20 € Spikereifen ergattert, dennoch zerstörten die Eisabschnitte massiv den Schnitt. Mehrere Labestationen boten Spaghetti, Kürbissuppe oder Gulaschsuppe, da die eigene Verpflegung in den Radtaschen sehr verlässlich vereisten – ebenso die Getränke in den Flaschen binnen kürzester Zeit. So schleppte ich bis ins ziel 2 kg Eisbrocken mit.

(c) Cristian Gemmato https://dieketterechts.com/

Statt der geplanten 5h brauchte ich also 6h für die erste Runde zurück nach Oggau. Dort erfuhr ich, dass selbst der schnellste 5h und 10 min brauchte (normal wären 4h). Damit gab ich die Hoffnung auf 3 Runden auf, wagte aber dennoch noch eine zweite und startete als einer der letzten in die 2. Runde. Nach kurzer Zeit holte mich dann ein anderer Fahrer, der tatsächlich als letzter die 2. Runde startete ein und wir beschlossen, gemeinsam die Runde durchzuhalten. Markus Adam stellte sich dann als wahrer Abenteurer raus, der Rennen wie das Desert Dash in Namibia absolviert oder mit dem Jetski rund um Island fährt.

Kurz nach einem für mein Rad mit schmalen Reifen sehr mühsamen Abschnitt durch den Wald setzte dann auch die Dunkelheit ein und da waren 2 Lichtkegel dann doch besser als einer. Nach einer Spaghetti-Portion in Ungarn, Kürbissuppe in Podersdorf gab es noch 2 sehr gefährliche Eis-Abschnitte in Podersdorf und Jois, dann sahen wir aber auch schon das Ziel vor Augen. Plötzlich der Anruf des Veranstalters, ob wir noch auf der Strecke wären und ob es uns gut geht. „Ja, wir brauchen noch 1h, bitte wartet auf uns“ – meine flehentlichen Bitten. Scheinbar waren wir wirklich die letzten und niemand ist in die 3. Runde gestartet – also mussten sie noch 1h auf uns 2 warten. Noch der Radweg von Breitenbrunn, Purbach, Donnerskirchen und schon war Oggau in Sicht-

Ankunft 22 Uhr, nach 14h Fahrzeit und 230km, davon 20% auf einer Eislaufbahn.

Ach ja, und es war tatsächlich noch jemand hinter uns, der 30 min später ins Ziel trudelte!

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